Wenn ich in den vergangenen Jahren etwas gelernt habe, dann, dass man aus allen Jobs und Aufträgen etwas mitnimmt. Das klingt ziemlich abgedroschen, aber wie sagt man heutzutage gern: Ist so!

Auftraggeber buchen mich aufgrund meiner Sprachkenntnisse. Ich werde als Übersetzerin gebucht oder für die Texterstellung. Manche Kunden benötigen die Übersetzung einer Urkunde, andere möchten, dass ich über das drüberlese, was eine Maschine übersetzt hat, sogenanntes Post-Editing. Wieder andere benötigen eine Redakteurin, die englischsprachige Mitteilungen erfassen und aus den gegebenen Informationen deutschsprachige Artikel erstellen kann.

Jeder Selbständige bringt etwas mit, was ihn für den Auftraggeber zur richtigen Wahl macht

Kurzum: Auftraggeber wählen Auftragnehmer (im Normal- und Idealfall) nach ihren Fähigkeiten aus. Jetzt sind meine oben genannten Fähigkeiten natürlich sehr grob dargelegt. Bei vielen Aufträgen spielen Kleinigkeiten eine Rolle. Wenn es darum geht, Beiträge in ein WordPress-System einzupflegen, dann ist es für den (potenziellen) Kunden gut zu wissen, dass ich selbst mit diesem System arbeite. Bei einigen Redaktionsjobs ist es außerdem von Vorteil, wenn ich sagen kann: Jep, mit Bildbearbeitungssoftware kenne ich mich aus!

Der Auftraggeber profitiert von dem Wissen, das ich in eine Zusammenarbeit bringe. Es darf aber nicht vergessen werden: Aus jedem Auftrag und jedem Job nimmt man aber auch etwas mit. Manches Mal sind das sehr direkte Lektionen. In der Vergangenheit lernte ich, mit neuen Tools zu arbeiten, vorhandene Tools auf völlig neue Weise einzusetzen oder erweiterte vorhandene Kenntnisse um neues Wissen. Ich durfte mich auch schon in Bereiche einarbeiten, in denen ich zuvor nicht gearbeitet hatte. Das ist selten, aber eine großartige Erfahrung, für die ich auch stets dankbar bin.

Andere Lektionen sind indirekter, aber nicht weniger bedeutsam

Manchmal lernt man auch erst langfristig aus dieser Erfahrung. So ging es mir jedenfalls mit verschiedenen Nebenjobs, die ich seit meiner Teenager-Jahre hatte. Ich nehme euch mal mit auf diese Reise durch verschiedene Lektionen. Kommen euch einige davon bekannt vor?

1. Prospekte verteilen

Auch ich gehörte zu den Teenies, die sich ein paar Euronen verdienten, indem sie Prospekte verteilten. Vielleicht ist das andernorts anders, aber bei mir in der Stadt sehe ich inzwischen fast nur noch Erwachsene, die mit diesem Job ihre Rente aufbessern. Dabei ist der Job auch für junge Leute wichtig. Es war ein interessanter, manchmal aber auch anstrengender Job. Mein Gebiet war relativ groß und entsprechend hatte ich viel “Auslauf”. Mit diesem Job war für mich viel verbunden. Ich unterzeichnete den Vertrag. Ich erhielt damals mein eigenes Girokonto. Natürlich mussten auch meine Eltern unterschreiben. Aber es galt: Verantwortung zu übernehmen.

Meist dachte ich mir nicht viel dabei. Ich machte eben meinen Job und lieferte die Prospekte in jeden Briefkasten, in dem sie erwünscht waren. Dass man dies als Zuverlässigkeit erkannte und zu schätzen wusste, dessen wurde ich mir erst bewusst, als mir vorgeworfen wurde, die gelieferten Prospektbündel einfach entsorgt statt ausgeliefert zu haben. Was ich nicht hatte. Es wäre mir auch nie in den Sinn gekommen. Meine Gebietsbetreuerin wusste das und sprang ein. Sie erklärte, sie würde die Hand für mich ins Feuer legen. Sie bat mich darum, die Prospekte aufzusammeln, wenn sie mir auffallen würden – denn tatsächlich hatte jemand Prospekte in meinem Gebiet entsorgt – und anhand der Codierung wurde letztlich auch aufgeklärt, dass ich es nicht war.

Die Lektion, die ich daraus zog: Zuverlässigkeit lohnt sich!

Sich Wissen anzueignen ist wichtig. Manches Wissen und manche Erfahrung kann man aber nur machen - und findet man nicht in Büchern.

Sich Wissen anzueignen ist wichtig. Manches Wissen und manche Erfahrung kann man aber nur machen – und findet man nicht in Büchern.

2. Servicekraft im Kino

Ich muss ehrlich zugeben: Dieser Job war mir (meistens) der liebste Nebenjob, den ich je hatte. Als ich ihn annahm, hatte ich mein Studium am IFB Kempten bereits abgeschlossen. Während des Starts in die Selbständigkeit verdiente ich mir hier etwas dazu. Und es machte Spaß. Ich liebe Filme. Ich liebe das Kino. Ich war also nicht einfach nur glücklich, einen Job gefunden zu haben. Ich war sehr, sehr, sehr glücklich, dass ich im Kino gelandet war.

Zugleich stellte mich der Job vor eine gewaltige Aufgabe: Nun war ich die Person, die Ausweise kontrollierte, Leuten (wenn nötig) den Zutritt verweigerte, Popcorn verkaufte und somit für die Kasse verantwortlich war. Für mein damals sehr schüchternes Persönchen wahrlich eine Herausforderung – an der ich gewachsen bin.

Die Lektion: Manchmal muss man einfach ins kalte Wasser geworfen werden und an den Herausforderungen wachsen. Für den Job direkt mag sich daraus nicht viel ergeben haben, außer, dass es ganz cool klingt, im Kino gearbeitet zu haben, wenn man sich um Aufträge im Film- und Serienbereich bewirbt. Persönlich hat mich dieser Job aber sehr viel weitergebracht.

Derzeit trifft man mich nur noch als Besucher im Kino an.

Derzeit trifft man mich nur noch als Besucher im Kino an.

3. Aushilfe in der Gärtnerei

Dieser Nebenjob war für mich besonders hart – und das lag nicht am Job selbst oder den Kollegen. Diesen Nebenjob nahm ich zu einem Zeitpunkt an, an dem mir plötzlich ein Großteil der Aufträge wegbrach. Nicht cool. Wenn man dann noch weiß, dass ich nie so wirklich der Pflanzenfan war und Steine halt doch cooler finde, dann weiß man auch, wie verzweifelt ich war, als ich den Job annahm. Dieser kam genau zur rechten Zeit und half mir, die Durststrecke zu überbrücken, damit ich dann wieder tun konnte, was mir persönlich wirklich Spaß macht.

Besonders schlimm: In Zeiten des Internets und vorgegaukelter perfekter Leben, fühlte ich mich wie ein Versager. Heutzutage weiß ich, dass es anderen Selbständigen oftmals genauso geht und es nicht schlimm ist, Durststrecken auch mal aus nicht selbständigem Einkommen zu überwinden.

Aus diesem Job nahm ich gleich zwei Dinge mit: 1. Wenn man will, kann man sich auch in etwas reinarbeiten, mit dem man vorher nichts anzufangen wusste. 2. und vor allem in Zeiten von Corona wichtig: Das Leben ist hart, der Markt umkämpft und manchmal muss man eben schauen, wo man bleibt. Wieso also nicht mit einem Aushilfs-/Nebenjob überbrücken, bis es wieder läuft – denn wenn das eigene Konzept auf soliden Beinen steht, läuft es immer wieder an. Holpern tut es immer mal.

Meine Lieblingssteine – die Callanish Standing Stones

Ständiges Lernen geht nicht nur aus Büchern

Regelmäßig bilde ich mich fort. Ich lese Bücher, nehme an Webinaren und Workshops teil. Diese Lektionen sind wichtig. Ständige Fortbildung ist wichtig. Wichtig ist aber auch, zu erkennen, dass man Lektionen nicht nur aus Büchern & Co. lernen kann. Manchmal lohnt es sich, auch im Alltag genauer hinzuschauen und zu sehen, welche Lektionen das Leben bereithält. Auch daran wächst man als Person und als Selbständiger.