Auf meiner aktuellen To-do-Liste steht, durch Corona freigewordene Kapazitäten unter anderem für die Überarbeitung meiner Lebensläufe zu nutzen. Meine Lebensläufte passe ich in Abhängigkeit von den Entwicklungen in meinem Arbeitsleben ohnehin von Zeit zu Zeit an. Jetzt sollen sie also mal wieder gründlich überarbeitet werden. Aber wieso eigentlich? Und wieso schreibe ich von mehreren Lebensläufen?

Den CV zum Vorbild

Bei meinen Lebensläufen nehme ich mir den britischen CV zum Vorbild. Ohne Foto, ohne Angabe meiner Eltern und deren Beruf. Ganz ehrlich: Wen interessiert das? In Zeiten von DS-GVO und Co. sowieso? Meine potenziell künftigen Kunden dürfte doch viel mehr interessieren, dass ich die schulische Ausbildung zur staatlich geprüften Übersetzerin und Dolmetscherin absolvierte. Auch der MA in Interpreting and Translation an der University of Central Lancashire dürfte eine Rolle spielen. Und, dass ich seit rund 15 Jahren redaktionell tätig bin, könnte für den einen oder anderen Auftrag auch von Bedeutung sein.

Hinzu kommt, dass ich in den Jahren meiner Selbständigkeit viel Erfahrung sammeln konnte. Die gilt es bei jeder Ausschreibung, so sehr diese von der vergangenen abweichen mag, erneut zu bewerben.

Im Lebenslauf Schwerpunkte setzen

Beim Schreiben meiner Lebensläufe kommen verschiedene Aspekte zum Tragen. Mein Übersetzerhintergrund spielt hier ebenso eine Rolle, wie mein Quereinstieg ins Redaktionelle und ins Texten. Vor allem meine Fachgebiete tragen aber zu einer groben Unterteilung bei.

So führe ich einen Lebenslauf, der meine Aufträge im Bereich Film, Serien & Entertainment betont. Im anderen Lebenslauf stelle ich meine Erfahrungen im Bereich Reisen & Tourismus in den Vordergrund. Es gibt auch einen allgemeineren Lebenslauf, bei dem ich den Schwerpunkt noch deutlicher auf meine Übersetzertätigkeit lege, da ich bislang in mehr Bereichen übersetze, als ich schreibe. Die Themen Wirtschaft und (Online-) Marketing seien hier genannt.

Aber warum sich die Mühe machen, verschiedene Lebensläufe zu erstellen? Für mich steht an dieser Stelle der Service-Gedanke im Vordergrund. Kommt der potenzielle Auftraggeber aus dem touristischen Bereich, interessieren ihn meine Entertainment-Tätigkeiten wahrscheinlich eher weniger. Andersrum ebenso. Und da Zeit heutzutage ohnehin Mangelware ist, fasse ich alle wichtigen Informationen auf einer einzigen Seite zusammen. Auf diese Weise präsentieren sich dem möglichen Auftraggeber alle für ihn relevanten Details auf nur einen Blick. Sollte der potenzielle Auftraggeber mehr wissen wollen, gebe ich auf einer zweiten Seite Auskunft über weitere Arbeiten und gesammelte Erfahrung – und für alles andere gibt es Telefon & E-Mail.

Und die Sache mit dem Alter?

Auch mein Alter schreibe ich nicht in den Lebenslauf. Mein Alter ist nicht geheim. Ich bin 32. Um was es im Lebenslauf (oder CV) einer selbständigen Person geht, ist aber die Erfahrung. Wer sagt, dass ein 51-jähriger Quereinsteiger mehr Erfahrung hat als ein 28-jähriger Uni-Absolvent? Vielleicht arbeitete der Uni-Absolvent während des Studiums schon seit Jahren als Übersetzer? Vielleicht hat der 51-jährige Quereinsteiger gerade erst zwei Übersetzungsprojekte erfolgreich abgeschlossen.

Hier galt für mich aber lange Zeit, abzuwägen. Da ich auch Fotos zu meiner Person nicht unter Verschluss halte, überlegte ich anfangs sehr lange, ob ich mein Alter in den Lebenslauf schreiben sollte. Der Grund hierfür ist simpel: Ich werde regelmäßig viel jünger eingeschätzt. Leider setzen auch dieses Erscheinungsbild viele damit gleich, dass mir die Erfahrung fehlt. Da ich in den vergangenen Jahren aber umfassend Erfahrung sammeln konnte und sich mein Abschluss und meine ersten Aufträge nun auch schon ein paar Jährchen zurückdatieren lassen, verzichte ich auf die Altersangabe im Lebenslauf. Wie ich sagte: Es geht um die Erfahrung.