Es sind schwierige Zeiten. Die Wirtschaft bröckelt weltweit. Wie ich letzte Woche feststellte, ist es mal wieder an der Zeit, dass jeder Übersetzer werden möchte. Für das Verfassen von Texten gilt beinahe dasselbe. Vor “großartig bezahlten” Angeboten können wir etablierten Übersetzer uns gar nicht retten. Der eine bietet 1 Cent pro Wort, der nächste 2 – und wieder ein anderer versucht es mit 0,5 Cent pro Wort. Nein, ich habe mich nicht vertippt. Ein halber Cent pro Wort kommt mir auf den unterschiedlichsten Plattformen immer wieder unter. Ja, ein wahrlich verführerischer Markt.

Jeder versucht, etwas Geld zu sparen. Das verstehe ich. Auch ich habe meine Ausgaben der Situation angepasst und behalte den Markt im Auge. Neue Ausschreibungen sind selten. Wer weiß, was die nächsten Monate bringen. Oder nicht bringen. Ausschreibungen in meinen Gebieten sind dünn gesät und wo ich letztes Mal darüber sprach, dass es auch (oder gerade) in ungeschützten Berufen nicht an den grundlegenden Kenntnissen fehlen sollte, möchte ich mich heute mehr auf die Fachgebiete stürzen.

Mir wird immer wieder unterstellt, dass ich zu wählerisch sei, was die Jobangebote angeht. Ich selbst nenne das Spezialisierung und dieses Thema ist immer wieder Streitpunkt in Diskussionsforen und auf Social-Media-Plattformen:

Das epische Duell: Spezialisierung vs. Allrounder?

Beim Übersetzen kommt immer wieder die Frage nach der Spezialisierung auf. Beim Eintritt in den Verband wird gleich mal abgefragt, welche Fachgebiete man bedient. In meinem Profil beim BDÜ muss ich diese immer wieder bestätigen oder kann sie anpassen, sollte sich der Schwerpunkt verschieben. Bei Redakteuren und Textern kommt die Frage übrigens auch nur allzu häufig auf. Sind Texter besser, die alle Felder bedienen? Oder sollte man sich doch lieber auf nur ein, zwei, vielleicht noch drei Themen festlegen?

Die Frage kann meiner Meinung nach pauschal nicht beantwortet werden und letztlich muss jeder, der in dieser Richtung unterwegs ist, diese Entscheidung für sich selbst treffen. Ich verstehe die meisten Argumente der Allrounder und denke, dass man sich als Allrounder durchaus durchschlagen kann, sei es als Übersetzer oder als Texter oder als Redakteur.

Ich persönlich bin jedoch ein Fan von Fachgebieten und Spezialisierungen. Das bedeutet, ich beschäftige mich mit wenigen Themen ausgiebig und bin in diesen sogenannten Fachgebieten stets auf dem Laufenden.

Ich will keinem Allrounder unterstellen, dass er sich nicht gewissenhaft seiner Aufträge annimmt. Es gibt zahlreiche gute Übersetzer und Texter, die als Allrounder unterwegs sind und hervorragende Arbeiten abliefern. Aber ich denke, dass es für Auftraggeber ab einem gewissen Punkt und abhängig vom Auftrag durchaus Sinn ergibt, auf einen spezialisierten Texter oder Übersetzer zu setzen. Gerade heutzutage, wo man richtiggehend tief in ein Gebiet eintauchen muss, um die Leser mit Texten mit Mehrwert zu versorgen.

Es ist bis zu einem gewissen Grad aber gewiss auch Einstellungssache. Egal, wie gewissenhaft ich einen Auftrag erledigen würde, würde ich mich in dem Gebiet nicht auskennen, so würde mich doch fortwährend die Frage beschäftigen, ob ich nicht irgendetwas übersehen oder falsch interpretiert habe. Aufträge außerhalb meiner Spezialisierung nehme ich daher selten an – und nur, wenn der Auftrag das hergibt und die Rahmenbedingungen passen, sprich, ausreichend Zeit bleibt, sich reinzuarbeiten. Andere brauchen gerade die Abwechslung, die sich ergibt, wenn sie von einem Thema zum anderen springen können.

Auf was es wirklich ankommt

Ob Allrounder oder Spezialist ist meiner Ansicht nach weitestgehend ideal. Wichtig ist, dass der Kunde weiß, auf wen er sich einlässt. Ist es für den Auftrag ausreichend, wenn sich ein Texter schon in der Vergangenheit ein oder zweimal beschäftigt hat? Geht es vielleicht um eine Sache, in die man sich schnell einlesen kann? Oder wird jemand benötigt, der jahrelang umfangreiches Wissen angesammelt hat und sich fortwährend mit der Materie beschäftigt, weil vielleicht auch das Zielpublikum bereits ein entsprechendes Wissen mitbringt?

Am Ende entscheidet auch hier – wie immer – der Kunde. Jedoch sollte er es aufgrund der nötigen Basis tun und hier muss man an das Gewissen der Dienstleister appellieren: Ehrlich sein!