In den vergangenen Monaten las ich über verschiedene Plattformen hinweg immer wieder, dass Übersetzer mit dem Gedanken spielten, die Selbständigkeit an den Nagel zu hängen. Andere überlegten, in welche Richtungen sie sich spezialisieren könnten, um überleben zu können. Wieder andere wollten sich ein zweites Standbein aufbauen, fernab des Übersetzens.

Der Grund: Immer öfter wünschen Kunden keine Übersetzung mehr. Der Computer würde das ja auch hinbekommen. Maschinenübersetzung.

Viele Diskussionen ließen erahnen, dass – neben Corona – die aktuelle Entwicklung im Bereich der Maschinenübersetzung dazu beiträgt, dass der Bedarf an Übersetzern nachlässt. Und es stimmt schon: Die Maschinen haben dazu gelernt. Einen Übersetzer machen sie deshalb noch lange nicht überflüssig.

Machine Translation Post-Editing nennt sich diese Nische. Ein Übersetzer bearbeitet, was die Maschine übersetzt hat – und das ist in den meisten Fällen zwingend notwendig. Doch warum? Und wieso sollte ausgerechnet ein Übersetzer diese Aufgabe in Angriff nehmen?

Ich beantworte erst die eine, dann die andere Frage:

Warum muss Maschinenübersetzung bearbeitet werden?

Maschinen sind inzwischen ganz schön clever beim Übersetzen. Doch sie wissen lange nicht alles – und vieles können sie nicht wissen oder unterscheiden. Ein Lieblingsbeispiel vieler Übersetzer ist “Bank oder Bank?” Doch damit nicht genug. Auch kuriosere Fälle wie ein “Hallo-Geschwindigkeits-Internet” kamen mir bei der Arbeit nicht selten unter. Und was ist mit Sarkasmus? Ironie?

Ich will die Maschinenübersetzung nicht komplett schlechtreden. In der Vergangenheit habe ich mehrfach in diesem Bereich gearbeitet – wenn die Voraussetzungen stimmten.

Es gibt Einsatzbereiche, in denen eine solche Maschinenübersetzung durchaus sinnvoll sein kann. Bereiche, in denen Sätze immer auf dieselbe Weise aufgebaut, Texte immer derselben Struktur folgen. Man stelle sich vor, man wolle 1.000 Hotels beschrieben oder 500 PC-Teile. Unter diesen 1.000 Hotels befinden sich 800, die über ein Restaurant verfügen, 400 bieten einen Pool. Unter den 500 PC-Teilen befinden sich 100 Festplatten. Die verfügen vielleicht über voneinander abweichende Werte, aufgebaut sind sie aber ähnlich oder sogar gleich. Auch die Motherboards haben jeweils andere Spezifikationen, jedoch eine große Schnittmenge in Sachen Komponenten. Sich wiederholende Formulierungen sind vorprogrammiert.

Wird es kreativer, streikt die Maschine. Oder sollte ich sagen, dass es dann erst richtig kreativ wird?

Warum solltet ihr unbedingt einen Übersetzer mit dem Post-Editing beauftragen?

Ein Übersetzer ist nicht nur damit vertraut, wie eine Sprache korrekt angewendet wird. Er weiß auch um die gängigen Fehler beim Übertragen von einer Sprache in die andere. Deshalb sollte das Post-Editing immer von einem Übersetzer erledigt werden, der der Sprachkombination mächtig ist, um zu korrigieren, was die Maschine verbockt hat.

Leider wird in den Medien Maschinenübersetzung immer wieder als perfekt dargestellt. Vor allem im Zuge der Digitalisierungsdiskussion im vergangenen Jahr gewann man den Eindruck, der menschliche Übersetzer sei von vor-vorgestern und könne schon lange nicht mehr mit dem mithalten, was ein Computer leistet. Das trägt vermutlich auch dazu bei, weshalb jüngst so viele Unternehmen auf Maschinenübersetzung setzen – in der Annahme, sich dadurch den Übersetzer und vor allem die Kosten für den Übersetzer sparen zu können.

Dabei wähnt einen Maschinenübersetzung schön in Sicherheit – bis die Kunden Sturm laufen oder sich diese aufgrund der vielen kuriosen Fehler in z.B. einer Bedienungsanleitung am Boden kringeln. Keine dieser Situationen möchte ein Unternehmen erleben. Beides kratzt am Image, ein Image, das sich oft nur schwer wiederherstellen lässt.

Machine Translation Post-Editing ist richtig, richtig harte Arbeit

Ich hatte Glück mit meinen Auftraggebern im Bereich MTPE. Doch immer häufiger wird diese Nische genutzt, um Preis-Dumping zu betreiben. Dabei werden Preise nicht nur im Bereich des MTPE zerstört, sondern auch beim Übersetzen in seiner Gesamtheit. Das Argument: “Es steht ja schon alles da. Man muss nur nochmal drüberschauen.”

Dabei wird vergessen: Post-Editing stellt einen großen Aufwand dar. Post-Editing ist mehr, als nur das eine oder andere Wort auszubessern. Im Kopf übersetzt der Übersetzer den gesamten Text, vergleicht jeden einzelnen Satz im Zieltext mit dem Pendant im Ausgangstext. Teilweise müssen ganze Segmente gelöscht und neu übersetzt werden, weil sie keinen Sinn ergeben. Man spart sich die Recherche? Von wegen!

Machine Translation Post-Editing ist richtig, richtig harte Arbeit. Kurz zu überfliegen, ob passt, was das Maschinchen übersetzt hat, ist nicht drin. Jeder Satz muss – korrekt oder nicht – angezweifelt werden, bis zweifelsfrei feststeht, dass die Maschine ihre Aufgabe zufriedenstellend erledigt hat. Oder bis festgestellt wird: Das stimmt so nicht. Das muss weg.

Ob Maschinenübersetzung zum Einsatz kommt, hängt immer vom Projekt und den Anforderungen ab. Sie kann in bestimmten Bereichen eine wertvolle Hilfe sein, den menschlichen Übersetzer aber nicht ersetzen – und ist nur dank diesem auch mit gutem Gewissen vorzeigbar.