Was tut ein Übersetzer in Illertissen? Eine Frage, die man mir meist nicht laut formuliert entgegenbringt. Am Blick manch eines Gesprächspartners kann und konnte ich sie aber ablesen. Zugegeben, als Übersetzer in London, Paris oder New York unterwegs zu sein, ist gewiss cooler. Auch andere Fleckchen dieser Welt bieten den deutlich spannenderen Gesprächseinstieg als Illertissen, aber es hat durchaus auch seine Vorteile, eben nicht in einer der großen Metropolen der Welt unterwegs zu sein.

Übersetzer in Illertissen: So kam es eben

Wieso gerade als Übersetzer nach Illertissen? Puh, ich könnte jetzt eine mega tolle Story erzählen und beschreiben, wie mich das Schicksal in diese idyllische Kleinstadt zwischen Ulm und Memmingen zog. Aber wir wollen mal nicht übertreiben. 1988 wurde ich in Illertissen geboren. Punkt.

Ich ging in Illertissen zur Schule, ehe es mich an die FOS Neu-Ulm verschlug. Danach stand Schottland auf dem Programm. Wenngleich meine Work & Travel-Teilnahme nur ein paar Monate dauerte, wäre ich am liebsten dort geblieben. Aber es ergab sich einfach nicht. Deshalb ging es zurück nach Illertissen, von wo aus es mich ins Allgäu verschlug. Nicht die schottischen Highlands, aber, hey, immerhin Berge! Nach meinem Studium in Kempten kehrte ich erstmal nach Illertissen zurück und machte mich ans Geldverdienen. Zu dem Zeitpunkt war ich schon selbständig und arbeitete an verschiedenen Projekten mit, als Übersetzerin und als Redakteurin. Nebenbei jobbte ich noch im Kino in Ulm – diese Zeit und diesen Job vermisse ich. Als Entertainment-Junkie ohnehin.

Und danach: Ja, da ging es mal wieder hinaus in die “weite Welt”. Es sollte Preston werden. Eine Stadt im Norden Englands, die an Hässlichkeit kaum zu überbieten ist. Als ich damals ankam und mir die Mutter meines Vermieters den Mietvertrag vorlegte, erklärte sie, wie sehr sie Preston hasste. Ihr würde es jedes Mal grausen, in diese Stadt kommen zu müssen. Sehr guter Einstieg, aber mein Eindruck war leider sehr ähnlich. Dennoch möchte ich dieses Jahr in Preston nicht missen. Ich lernte tolle Leute kennen, zu denen ich teilweise auch heute noch Kontakt habe, und das Studium war großartig, mit großartigen Dozenten, klasse Aktionen und Unterricht, der mich wirklich weiterbrachte.

Das einzige, wirklich schöne Fleckchen in Preston ist der Park.

Das einzige, wirklich schöne Fleckchen in Preston ist der Park.

Übersetzungen aus Illertissen

Tja, wie gesagt, so kam es eben. Doch als Übersetzer in Illertissen zu sitzen, hat durchaus Vorteile und die überwiegen meines Erachtens die Nachteile. Zumindest für mich. Aktuell. Wer weiß, was die Zukunft bringt?

Natürlich sitzt man hier in einer relativ ländlichen Region und ich wäre manchmal froh darum, etwas näher an der nächsten großen Stadt oder gar einem Flughafen zu wohnen. Dennoch könnte die Lage deutlich schlechter sein. Illertissen liegt direkt an der A7 und verfügt über eine eigene Autobahnanbindung. Mit dem Auto von A nach B zu kommen, ist also relativ gut möglich. Darüber hinaus besteht auch Anschluss an die Bahn – seit ein paar Jahren hält hier sogar der Regional Express auf der Strecke Kempten – Ulm in sehr, sehr regelmäßigen Abständen. Wow! Als ich noch in Kempten studierte, sah das etwas anders aus.

Das Internet. Ja, das könnte deutlich schneller sein. Es ist aber zuverlässig und schnell genug, damit ich meine Aufträge abarbeiten kann. Nur bei Netflix, Amazon Prime und Disney+ – vor allem bei Disney+ – da hakt es und ich könnte auf auf einige der ganz großen Pixel durchaus verzichten. Aber vielleicht bekommen wir das in Illertissen eines Tages ja auch noch hin, nun, da die Industriegebiete stetig weiter wachsen und es nach vielen Jahren Hin und Her sogar das Restaurant zur Goldenen Möwe in die Vöhlinstadt geschafft hat. Fortschritt?

Übersetzer in Illertissen: Von der ruhigen Lage profitieren

Wie angemerkt, kommt man von Illertissen aus relativ schnell an sein Wunschziel, ob mit dem Auto oder der Bahn. Im Gegenzug bietet die Stadt mit dem bekannten Bienenmuseum eine relativ ruhige Lage. Etwas, das mir besonders wichtig ist. Wenn uns nicht gerade eine Pandemie das Reisen vermiest, dann verschlägt es mich regelmäßig in die Großstadt. Mal ist es München, meist ist es London. Ich mag das Großstadt-Feeling und die Möglichkeiten, die sich dort bieten. Die Vielfalt, das Essen, die Veranstaltungen, die tollen Gelegenheiten, auf Sightseeing-Tour zu gehen.

Aber, ganz ehrlich, ich bin auch jedes Mal happy, wenn ich wieder zuhause bin, wo es deutlich ruhiger zugeht. Auf Dauer in einer hektischen Metropole wie London zu wohnen, könnte ich mir nicht vorstellen. Da bin ich wohl doch zu sehr Landei und die ruhigere Umgebung gewohnt. In der lässt es sich für mich auch viel entspannter arbeiten, denn gerade beim Schreiben und Übersetzen möchte ich mich voll und ganz auf meine Arbeit konzentrieren.

London hat viel zu bieten. Dort wohnen? Wäre für mich nichts.

Als Übersetzer in Illertissen: International und regional zugleich

Meine Kunden kommen aus aller Welt. Ich arbeite und arbeitete für Unternehmen aus den USA, liefere Texte nach Lissabon und schreibe für Redaktionen, deren Mitarbeiter über ganz Deutschland verteilt sind. Wie bei so vielem im Leben, schätze ich aber auch hier die Balance. Ein Gleichgewicht zwischen international und regional, das sich gerade durch mein Dasein als Übersetzer in Illertissen ergibt.

Ihr mögt mir jetzt sagen, dass man auch in einer Stadt wie München, Berlin und Frankfurt Kunden vor Ort haben kann, während man gleichermaßen internationale Kunden bedient. Das ist natürlich wahr. Doch Menschen, die in Illertissen, Jedesheim, Betlinshausen, Au oder Tiefenbach wohnen, sind ebenfalls überglücklich, wenn sie ihre Dokumente und Texte einfach schnell vorbeibringen können, den persönlichen Kontakt zum Übersetzer haben und ihre fertige Übersetzung anschließend in Person abholen können.

Das sind Menschen, die schon wegen anderer Erledigungen immer ein gutes Stück weit fahren müssen, um etwas zu kaufen oder eine Dienstleistung in Anspruch zu nehmen. Das sind Menschen, die sich freuen, gerade eine solch internationale Dienstleistung auch mal direkt vor der Haustür zu haben. Die Balance zwischen regional und international ist es mir allein schon deshalb wert.