Zeit ist Geld. Dieser Spruch gilt heute mehr denn je. In unserer schnelllebigen Zeit muss alles möglichst gleich sein. Deadlines werden immer enger. Das ist – so sehr ich dafür plädiere, dass Texte und Übersetzungen einfach Zeit benötigen – manchmal leider nicht anders zu machen. Ich bin eher der Typ Mensch, der die Meinung vertritt, dass manche Dinge einfach ihre Zeit benötigen, um gut zu werden. Natürlich kann ich einfach einen Text hinhudeln. Ich kann mich aber auch mit dem Thema beschäftigen, ausgezeichnete Quellen auftun, recherchieren und herausarbeiten, welche Informationen dem Leser tatsächlich einen Mehrwert bieten. Davon profitiert am Ende nicht nur der Leser. Auch ihr, die diese Texte zur Verfügung stellt, profitiert natürlich davon.

Ähnlich ist es bei Übersetzungen. Natürlich kann ich einen Text “schnell mal übersetzen” – wobei das auch nicht so schnell geht, wie manch einer sich das weiterhin vorstellt. Ich kann mir aber auch die Zeit nehmen, die fertige Übersetzung so zu überarbeiten, dass sie sich nicht länger wie eine Übersetzung liest. Schließlich soll der Leser in den meisten Fällen den Eindruck gewinnen, dass er schlichtweg einen fertigen Text und keine Übersetzung vor sich hat.

Sparen wir also Zeit doch an der Stelle, an der es auch Sinn ergibt. Ein Punkt, bei dem viele Menschen gar nicht erst daran denken, Zeit zu sparen, ist die Anfrage. Nun, in gewisser Weise wollen sie schon Zeit sparen. Anders kann ich mir Anfragen – frei aus dem Kopf – wie “Hallo, bräuchte eine Übersetzung. Können Sie das machen?” nicht erklären.

Klar, eine solche Anfrage spart auf den ersten Blick schon Zeit. Ist ja kurz und knapp gehalten.

Und zieht einen immensen Rattenschwanz hinter sich her.

Nehmen wir das Beispiel oben, das übrigens alles andere als aus der Luft gegriffen ist, und schauen uns die Sache mal genauer an.

“Hallo, bräuchte eine Übersetzung. Können Sie das machen?”

Geht eine solche Frage mit entsprechend vielen Informationen bei mir ein, werde ich darauf weder mit Ja noch mit Nein antworten. Stattdessen werdet ihr von mir einen dicken, fetten Fragenkatalog bekommen.

Natürlich könnte ich gleich absagen, aber ich will mir natürlich den potenziellen Auftrag nicht entgehen lassen. Mit Ja kann ich aber auch nicht antworten. Ich spreche Deutsch und Englisch. Was, wenn der Fragesteller von z.B. Rumänisch ausgeht? Auch das kommt allzu häufig vor und ist als Beispiel nicht aus der Luft gegriffen.

 

Somit bleibt mir nur das Nachhaken und da sind wir schon an einem Punkt, der Zeit kostet. Manchmal sogar gewaltig.

  • Die Anfrage geht bei mir ein.
  • Ich sehe sie kurz später.
  • Weil mir grundlegende Informationen fehlen, kann ich keine Auskunft zu Preis und Dauer/Deadline machen. Ich muss erstmal abklären, ob der Auftrag überhaupt zu meiner Sprachkombi und meinen Fachkenntnissen passt. Ich verfasse deshalb eine E-Mail, in der ich all die relevanten Fragen stelle.
  • Ich warte mal kürzer, mal länger auf eine Antwort.
  • Daraufhin liefert mir der potenzielle Auftraggeber – im Idealfall – alle relevanten Daten.
  • Die E-Mail geht bei mir ein.
  • Ich kann anhand der Informationen Preis und Dauer/Deadline sowie weitere Informationen mitteilen.

 

Enthält die Anfrage bereits weitreichende Informationen zum Auftrag, kann ich konkret darauf antworten und in 99 % der Fälle auch gleich mitteilen, was Sache ist:

  • Die Anfrage geht bei mir ein.
  • Ich sehe sie kurz später.
  • Ich kann anhand der Informationen Preis und Dauer/Deadline sowie weitere Informationen mitteilen.

 

Weil solche Anfragen immer wieder vorkommen, wollte ich an dieser Stelle zum einen darüber aufklären, welche Informationen für uns Übersetzer notwendig sind, um einem Auftrag zuzustimmen oder diesen einem Kollegen zukommen zu lassen. Zum anderen wollte ich euch aber auch Zeit sparen. Wie ihr oben seht, kann der ganze Prozess mit den richtigen Infos in der ersten Anfrage doch deutlich verkürzt werden. Deshalb habe euch eine Vorlage erstellt, die ihr künftig bei einer Anfrage an mich oder einen Kollegen gerne nutzen dürft.

 

Zeit sparen: Alles, was ein Übersetzer bei einer Anfrage wissen sollte

Sprache / Sprachrichtung: In welcher Sprache liegt der Text vor und in welche Sprache oder Sprachen sollte er übersetzt werden?

Deadline: Bis wann sollte die Übersetzung vorliegen?

Fachgebiet: Tourismus, Film & TV, Recht, Technik, Marketing oder etwas ganz anderes? Nicht jeder Übersetzer übersetzt in jedem Fachgebiet.

Wortzahl: Wie lang ist der Text? Gerade bei Urkunden erhalte ich oft die Info, dass es sich “nur um eine Seite handelt”. Eine Seite kann eine vollgeschriebene Seite bedeuten, eine Seite kann aber auch nur wenige Wörter, dafür umso mehr Layout-Arbeiten bedeuten. Auch dieser Aufwand muss zeitlich und finanziell einkalkuliert werden.

Absicht: Ist der Text zur Veröffentlichung auf einer Website gedacht? Landet er im Print? Dient der Text ausschließlich der internen Information?

Urkunde? Beglaubigt ja/nein?: Handelt es sich bei dem Auftrag um die Übersetzung einer Urkunde? Muss diese beglaubigt werden?

Im Idealfall: Perfekt ist natürlich, wenn ihr einem Übersetzer den Text / die Urkunde gleich zur Ansicht vorlegen könnt. Das hilft enorm dabei, gleich einen Preis anzusetzen und dem Kunden mitzuteilen. Bei längeren Texten reicht auch ein Auszug aus dem Text. Man sollte sich eben gut ein Bild von dem machen können, was einen erwartet, z.B. fachsprachlich oder eben vom Umfang der Layout-Arbeiten her.

Zusätzliche Infos

Manchmal benötigt man noch ein paar Zusatzinfos oder diese sind ganz hilfreich. Spätestens vor Auftragsbeginn werdet ihr vom Übersetzer mit Fragen nach diesen Informationen konfrontiert, sofern diese nicht vorab kommuniziert wurden.

Zielpublikum: Es ist immer gut, das Zielpublikum zu kennen. Manchmal kann man sich das ja denken, aber eine Bestätigung ist immer gut. Handelt es sich um Personen einer bestimmten Altersgruppe? Werden Fachleute den Text lesen oder doch eher Laien?

Höflichkeitsform: “Du” oder “Sie” – lasst den Übersetzer wissen, wie er das Zielpublikum ansprechen soll. Oder sind direkte Anreden des Lesers vielleicht sogar vollständig zu unterlassen?

Glossar / bestehende Terminologie: Es ist immer gut zu wissen, ob bereits Terminologiearbeit betrieben wurde. Gibt es feststehende Begriffe, die durchgehend verwendet werden müssen? Liegt ein Glossar vor? Gibt es eine Terminologiedatenbank? Entsprechende Infos sind abhängig davon, ob CAT-Tools verwendet werden oder nicht, immer von großer Bedeutung.

Transcreation? Großes Thema. Wird es eine “schlichte” Übersetzung oder soll es sich doch eher um Transcreation handeln?

 

Vorlage zum Ausfüllen

Sprache / Sprachrichtung:

Deadline:

Fachgebiet:

Wortzahl:

Absicht:

Urkunde? Beglaubigt ja/nein?:

Text oder Textauszug:

Zusätzliche Infos

Zielpublikum:

Höflichkeitsform:

Glossar / bestehende Terminologie:

Transcreation?