In vergangenen Beiträgen habe ich immer wieder angedeutet, dass das Dolmetschen ganz allmählich aus meinem Berufsalltag verschwand. Inzwischen habe ich diese Leistung auch nicht länger auf der Website und bewerbe sie nicht mehr. Ich denke, es ist an der Zeit, endlich mal zu erklären, weshalb das Dolmetschen nicht länger Teil meines Angebots ist, wenngleich ich mich dafür nicht rechtfertige. Es ist nun mal, wie es ist, wenn Zufall und eine bewusste Entscheidung aufeinandertreffen.

Ausbildung zum Dolmetscher Englisch-Deutsch

Ich hätte nie gedacht, dass mir das Dolmetschen liegen würde. Als ich mich nach dem Ende von FAK II entscheiden musste, ob ich das Dolmetschen dazunehmen oder links liegen lassen würde, war ich etwas hin- und hergerissen. Am Ende war es ein “Ach, der Versuch kostet ja nichts. Ich kann ja jederzeit aussteigen”. Irgendwie wurde daraus aber nichts. Das Dolmetschen machte mir nicht nur Spaß. Ich fand auch heraus, dass ich in gewisser Weise ein Talent dafür hatte.

Da ich eher introvertiert bin und das Sprechen vor mehreren Zuhörern nie wirklich zu meinen Lieblingsbeschäftigungen zählte, war das schon irgendwie überraschend. Nach und nach konnte ich mich aber immer mehr fürs Dolmetschen begeistern, weshalb ich zwei Jahre später auch die Chance nutzte, den MA in Interpreting and Translation an der University of Central Lancashire zu absolvieren. Wer sich zum Dolmetscher ausbilden lassen möchte, dem kann ich diesen Studiengang nur wärmstens empfehlen!

Wie ich vom Dolmetschen abkam

Wieso habe ich nun also das Dolmetschen von meiner Website gestrichen? Nun, nachdem ich den MA in der Tasche hatte, kehrte ich nach Hause zurück und baute meinen Kundenstamm weitestgehend neu auf, wobei mir einige Kunden erhalten geblieben waren, für die ich während des Studiums weitergearbeitet hatte. Andere Kontakte hatten sich während des Studiums ergeben. Aufgrund meiner zuvor schon über Jahre gesammelten redaktionellen Erfahrung und den Referenzen, die ich vorweisen konnte, ergaben sich immer mehr Aufträge im Bereich Redaktion. Und die ließen sich super mit meinen Übersetzungsaufträgen verbinden.

Was praktisch nicht mit dieser Arbeit kompatibel ist, ist jedoch das Dolmetschen. Zum einen ist da die Sache mit der Flexibilität. Auf viele Dolmetschanfragen konnte ich aufgrund anderweitiger Verpflichtungen einfach nicht flexibel genug eingehen. Zum anderen war da aber auch die Sache mit der Distanz. Vor wenigen Tagen schrieb ich ja schon, dass ich mich als Übersetzer in Illertissen angesiedelt hatte und daran hatte ich auch nicht vor, so schnell etwas zu ändern. Der Standort hat sich bislang zwar bewährt, doch fürs Dolmetschen im “großen Stil” ist dieser nicht wirklich zu gebrauchen. Wer holt schon einen Dolmetscher aus Illertissen nach München, wenn sich die Kollegen in München schon tummeln? Logisch, oder?

Für mich persönlich gab es dann aber auch noch einen dritten Grund. Das Dolmetschen erfordert wahnsinnig viel Vorbereitung (oftmals innerhalb kürzester Zeit) und kontinuierliches Üben. Vor allem das Simultandolmetschen erfordert fortwährendes Üben. Diese Zeit konnte ich irgendwann einfach nicht mehr aufbringen und aus meiner Sicht wäre es unverantwortlich gewesen, mich unvorbereitet und eingerostet wie ein altes Auto auf einen Dolmetschauftrag einzulassen. Dementsprechend zog ich eines Tages die Konsequenzen daraus und blieb bei den Bereichen, in denen ich fortwährend “Übung” habe: dem Übersetzen und der Texterstellung.